Öffentliches

Assemblagen, Tier-Skulpturen, Installationen: Bei der Ausstellung „Kunst hoch drei“ im Eisenturm markieren (v.li.) Sigrid Lehr, Mireille Jautz und Usch Quednau drei Kunstpositionen. Foto: hbz/Kristina Schäfer, Mai 2018
Huhn und Hund mit Ausgehleine:
Neue Ausstellung beim Kunstverein Eisenturm
in Mainz
Von Marianne Hoffmann
 

MAINZ – Unterschiedliche Kunstpositionen, Werke, die sich aneinander reiben oder doch in Kommunikation treten, das ist das Grundprinzip der Ausstellungsreihe „Kunst hoch drei“, die Otto Martin, der ehemalige erste Vorsitzende des Kunstvereins Eisenturm, ins Leben gerufen hat. Mit Mireille Jautz, Sigrid Lehr und Usch Quednau vereinen sich farbenfrohe Gemälde mit schwarz-weißen Objektarbeiten und den Holzskulpturen von Usch Quednau.

Jede Künstlerin bespielt einen Raum. Mireille Jautz ist eine Meisterin der Farbkomposition, explosionsartig mischen sich die Farben auf der Leinwand. Die Acrylmalerei kommt ihrem temporeichen Malstil entgegen. Und wenn man nun glaubt, dass es für diese Werke keine Titel gibt, da muss man sich auf „Wolkenbruch“ und „Gebirgsbach“ einstellen oder sieht sich mit „Monet 1-3“ konfrontiert. Sigrid Lehr ist Jahrgang 1934 und wurde in Mainz geboren; arbeitete sie früher mit Ton, so hat sie sich seit einiger Zeit dem Materialbild verschrieben. Dabei achtet sie auf sehr strenge konstruktive Formen, die sie in Schwarz-weiß und Grautönen hält. Greift sie einmal zum Pinsel, nimmt sie die Strukturen ihrer Materialbilder auf. Die Assemblagen nennt sie verheißungsvoll „Mein Geheimnis“, dahinter scheint sich das Geheimnis um das Material zu verbergen. Erst bei genauerem Hinsehen sieht man aufgedröselte Wolle, Fäden, sanft und doch in strengen Formen gespannt, geschützt durch ein feinmaschiges Gitter, wie man es von Fliegengittern kennt.

Usch Quednau ist für viele Mainzer keine Unbekannte. Ihre Skulpturen in den Schaufenstern der Läden in der Römerpassage und ihre Tierskulpturen in Vitrinen in der oberen Etage weckten Neugier. Im Kunstverein Eisenturm zeigt sie eine im Block gestellte Auswahl ihrer höchst individuell grob behauenen Tierskulpturen. Da steht ein Entenvogel – oder ist es vielleicht doch ein Pelikan?
Ein Hund hat die Ausgehleine im Maul, um sitzend die Aufmerksamkeit seines Herrchens zu ergattern. Auf der Steinbank im Raum sitzt ein weißes Huhn gelassen auf seinem aus Holz gearbeiteten Nest. Ergänzt wird die Installation durch Häuser, die in Bäumen wachsen, die Baumwipfel gekrönt mit güldenem Stacheldraht.

Im Rahmen der Reihe  „ATELIERBESUCHE“ war Stefanie Blumenbecker, Kulturredakteurin von Hr2 bei Mireille Jautz im Atelier zu Gast.

mit Stefanie Blumenbecker im Atelier, März 2018

DER SELBSTVERSUCH Einer Malerin über die Schulter geschaut – in der „Naturliebe“-Ausstellung der Walkmühle

Künstlerverein Walkmühle, 2017

Von Birgitta Lamparth

WIESBADEN – Mitten in der Ausstellung: ein Atelier. Und eine Malerin, die sich vor diesem ungewöhnlichen Projekt gefragt hatte: „Kann ich das? Zeichnen, wenn fremde Menschen mir zuschauen?“ Die Wiesbadener Künstlerin Mireille Jautz ist dieses Experiment eingegangen. Während der Ausstellung „Naturliebe – erneuerbare Haltungen“ in der Wiesbadener Walkmühle entstehen von ihr Arbeiten – passenderweise in einem Gewächshaus. Bis zum Ende der Schau wird es damit zuwachsen. Und das Schönste ist: Die Besucher sind daran beteiligt.
„Findekunst“ heißt die Aktion, bei der man ein Stückchen Natur in die Walkmühle bringt, das dann durch Mireille Jautz zur Kunst wird. Wir haben eine getrocknete Baumfrucht aus Südamerika dabei, die mit ihrer eigentümlichen Nagel-Form beeindruckt. Und wer etwas mitbringt, bekommt auch etwas: In einer Tüte, die Mireille Jautz für jeden ihrer Motiv-Lieferanten parat hält, gibt es Blumensamen vom Mainzer Fachbereich Biologie – schließlich geht es ja um Erneuerbarkeit: „Wer draußen etwas ausreißt, gibt damit der Natur etwas zurück“, sagt Mireille Jautz. Sie will natürlich über ihr neues Motiv einiges wissen. Deshalb hat sie für jedes einen Fragebogen entwickelt: Wie und wo hat man seine „Findekunst“ entdeckt? Welchen Namen gibt man ihr? Da müssen wir nicht lange überlegen: Unseres heißt „Einhorn“. Und wem würden wir es schenken? Einem Tier natürlich – damit es auch zum Einhorn werden kann. Und was würde es sagen, wenn es sprechen könnte? Guten Tag – es ist ein höfliches Einhorn. Und das Ganze auf Spanisch, siehe Herkunft. Manchmal ist die Künstlerin mit traurigeren Funden konfrontiert. Einmal war ein aus dem Nest gefallener Vogel dabei. Den habe sie offiziell beerdigt, erzählt sie. Skurril war auch, dass eine Dame kam „und an einem Zeichen-Workshop teilnehmen wollte“. Eine andere hatte das Projekt, bei dem ja etwas wachsen soll – im Sinne von Zuwachsen des kleinen Gewächshauses mit Zeichnungen – als einen Wachs-Workshop verstanden, ein Seminar mit Wachs. Für Mireille Jautz sind diese Begegnungen alle spannend: „Die Besucher geben mir alle neue Impulse.“ Impulse auch, die sich auf ihre Zeichnungen übertragen. Und das geschieht mit Tusche und Feder: „Das ist für mich sehr kontemplativ.“ Mittlerweile hat sie einen Schlüssel und arbeitet auch alleine in der Walkmühle. Zu festen Terminen (siehe Infokasten) ist sie während der Öffnungszeiten da und nimmt die Naturgaben selbst entgegen. Die Details zu entdecken und akribisch in Tusche zu übersetzen, da komme sie schon in einen Flow, erzählt sie. Vom Steckbrief lasse sie sich inspirieren, ebenso durch den Namen, den die Finder ihrem Stück Natur geben. Und während im Laufe der Ausstellungsdauer diese lebendige Installation immer weiter wuchert, wird auch unser „Einhorn“ ein Teil davon. Per Mail bekommen wir ein Bild der fertigen Zeichnung – wie jeder, der an dem Projekt teilnimmt. Und bei der man sieht: Ja, sie kann das, Zeichnen, wenn ihr Menschen zuschauen.
Jetzt hängt unsere Zeichnung in der Walkmühle, neben „Langschön“, „Murmel“ und „Salonwurzel“. Und das Fundstück selbst? Wird hinterher wieder an die Natur zurückgegeben. So entstehe mit all den Fundstücken neuer Humus. Na, da werden sich „Murmel“ und Co. ganz schön wundern, wenn das Ganze einen kleinen spanischen Akzent hat.

Das Strömen des Meers sichtbar machen – Atelierbesuch bei Mireille Jautz

2016

Das Strömen des Meers sichtbar machen – Atelierbesuch bei Mireille Jautz

Von Ulrike Brandenburg

 

WIESBADEN – Die Balkendecke des Ateliers duftet nach Wald und auf den lichtgrauen Wolkengrund des Dachfensters tropft der Regen Muster. Auf dem Tisch darunter breiten sich Fotocollagen aus – das neueste Projekt von Mireille Jautz. Während ihres jüngsten Arbeitsaufenthalts in der Picardie hat die Malerin mit der Kamera gemalt, hat Belichtungszeiten und Objektiveinstellungen während des Bildaufnahmeprozesses verändert und so Wesenhaftes, das Strömen des Meers etwa, sichtbar gemacht. Wenn allerdings die blaue Stunde vor Sonnenaufgang Himmel und Meer zum Lapislazuli wölbte, hat die Künstlerin einfach nur auf den Auslöser gedrückt. Und eigentlich hat sie nach ihrer Rückkehr von der Küste auch weniger Collagen als Verdichtungen erstellt. Drei bis fünf Fotos hat Jautz so aneinandergeschoben, dass serielle Effekte die Intensität des jeweiligen Wahrnehmungsimpulses visualisieren. Die Künstlerin entwirft ein demokratisches Bild der Schöpfung – so begegnet der in den Himmel fliegende Surfer dem Seevogel nicht nur auf Augenhöhe, sondern größengleich.

Ohnehin – Menschen: Oft wandern sie auf schmalem Grat zwischen Meer und Himmel, will heißen, es ist das Gefühl, das zum Boden wird, der trägt. Wie stets bei Jautz, so kündet auch hier die Schwebe von Geborgenheit. Davon erzählt auch die Gemälde-Serie der sogenannten Schlafbilder. Eine fast meditative Erotik geht von diesen Arbeiten aus. Sie spiegeln die Lebensgeister ihrer in Innenwelten versunkenen Protagonisten verschlüsselt die Außenwelt wider. Ein Bild wird in der Picardie zu sehen sein
Ein rotes Bild aus der Reihe wird in diesem Sommer in Frankreich zu sehen sein. In der Picardie natürlich, wo die Künstlerin bei einer Einladung die Leiterin des Kulturzentrums „petit casino d’ailleurs“ von Ault Onival, die Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin Hélène Busnel, traf. Mireille Jautz hätte auch Picardisches ausstellen können – mit der Kreide der Felsen und der Kohle aus dem Kamin Gemaltes – doch Busnel wünschte sich vor allem Arbeiten aus den Serien „Treppe“ und „Rosso Piceno“ für die Schau. Auch diese Jautz-Bilder führen in Schwebewelten.
Die formale Gestaltung passt zu der Serie der 2015 entstandenen und in Wiesbaden gezeigten sogenannten Linoleumdamen. Hier allerdings geht es um Images. Da saust etwa eine junge Frau im Abendkleid ein Treppengeländer hinunter. Was für eine freudevolle Geste reinen Übermuts – feiert sie ihr Examen, möchte sie lang vermisste Freunde und Verwandte begrüßen, ist sie gar himmelhoch jauchzend verliebt – oder alles gleichzeitig? Oder ist nichts davon der Fall? Vorlagen der Linolschnitte waren Sammelbilder aus Zigarettenpackungen der 20er Jahre. Mireille Jautz taucht die Frauen in expressive Farbschleier und verweist damit auf die Differenz zwischen Leben und Pose, zwischen Inhalt und Leere und also zwischen unbewusster und kalkulierter Schönheit.
Die Ausstellung in Ault-Onival, an der auch die Künstler Darnish und Pierre Barraud de Lagerie beteiligt sind, wird den Sommer über zu sehen sein. Mireille Jautz wird auch wieder in der Picardie malen und fotografieren. Aber erst im kommenden Jahr.

Ausstellung in Frankreich

Ausstellung in Ault im Kunstverein „petit casino d’ailleurs“ mit den französischen Kollegen Darnish und Pierre Barraud de Lageri im Rahmen des Festivals Côte à Côte.

www.petitcasinodailleurs.com

Kunstverein in Ault, 2016

Filmstiches von Mireille Jautz in der Caligari FilmBühne

Caligari FilmBühne, Krimifestival 2014

Die gezeigten Filmszenen stammen aus den 10 prämierten Krimis anlässlich des 10. Deutschen Fernsehkrimi-Festivals. Erstmalig arbeitet eine Künstlerin speziell zu den gezeigten Filmen. Besondere Filmszenen werden hier durch Montage zu etwas Neuem. Durch die aufgetragene Farbe schafft Mireille Jautz in der Szene eine neue Ordnung. Die Farbe Blau hat eine Natürlichkeit die ihr Freiraum für Neues gibt. Die schwarze Tusche ist neutral, sie lässt Details verschwinden. Durch einen weißen oder blauen eingenähten Faden verändert sich der Inhalt. Der Betrachter, der die Filmszenen erkennt, erfährt eine Irritation, die ihn zum Nachdenken anregt. Die Reihe der „Filmstiches“ macht 2008 seinen Anfang mit bekannten Filmstills aus ca. 80 unterschiedlichen Filmen.

www.fernsehkrimifestival.de

uebermi_oeffi_02_ein-motiv-zum-träumen
Ein Motiv zum Träumen, 2012
Rathaus Hofheim, 2005 mit dem Kollegen Christian Pichura
30 Jahre Kunstverein Eisenturm, 2005
Posthof Bacharach, 2004

Maria Magdalena „Noli me tangere“

zum 275. Geburtstag der Laurentiuskirche in Wiesbaden

Evangelische Kirche Naurod, 2004

Ankauf der Staatskanzlei Wiesbaden

organisiert durch das Landesmuseum Wiesbaden

Supermarktserie von 2004

Kunst für die Rose, 2004

Katalog

48 seitiger Katalog über meine Arbeit bis 2008

Hier ist ein kleiner Auszug zu sehen